Samenfestes Saatgut

Samenfestes oder Hybrid-Saatgut: Einfach erklärt

Hand sät Saatgut. Copyright RobertsRob/Canva
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Was ist samenfestes Saatgut?

Samenfestes Saatgut wird auch als sortenfest oder nachbaufähig bezeichnet. Pflanzen aus samenfestem Saatgut lassen sich über ihre Samen weiter vermehren und zeigen dabei immer wieder die gleichen gezüchteten Eigenschaften. Habt ihr beispielsweise eine samenfeste rote Bete mit runder Form, sehr dunkler Farbe und süßlichem Aroma im eigenen Garten? Dann könnt ihr aus deren Samen immer wieder rote Bete mit genau diesen Eigenschaften ziehen und daraus neues, sortenfestes Saatgut gewinnen.

Sind samenfeste Sorten alte Sorten?

Samenfeste Sorten werden häufig mit alten Sorten in Verbindung gebracht: Doch „samenfest“ heißt nicht automatisch „alt“. Bis heute arbeiten ökologische Züchter:innen an neuen, nachbaufähigen Sorten für den Bio-Anbau. So ist die Zwiebel „Sturon“ eine moderne Entwicklung. Auch bekannte Apfelsorten wie Pilot, Pinova, Piros, Rewena und Retina sind verhältnismäßig jung: Diese sogenannten Pi- und Re-Sorten wurden von 1985-1991 in Pillnitz gezüchtet. Natürlich gibt es auch nachbaufähige Sorten, die bedeutend älter sind: so etwa die Birnensorte „Gute Luise“, die bereits 1778 das erste Mal erwähnt wurde. Und auch in Dresden und Umgebung finden sich alte Gemüsesorten wie die Zwiebel „Dresdner Plattrunde“, die vor über 150 Jahren in hiesigen Gemüseanbaugebieten gezüchtet wurde. Eine samenfeste Sorte kann also älter oder jünger sein.

Was ist Hybridsaatgut?

Anders als samenfestes Saatgut ist Hybridsaatgut nicht zuverlässig weitervermehrbar. Für Hybridzüchtungen werden zwei Sorten immer wieder mit sich selbst befruchtet, bis ihr Erbgut möglichst reinerbig, also möglichst homogen ist. Anschließend werden diese beiden Inzuchtlinien miteinander gekreuzt. Dabei ergeben sich F1-Hybride. Diese sind einheitlich im Erscheinungsbild und in der Reife und zeichnen sich außerdem durch ein besonders starkes Wachstum aus. Mit F1-Hybriden lassen sich also kurzfristig höhere und gleichmäßigere Erträge erzielen. Dieser Effekt wird auch als "Heterosiseffekt" bezeichnet. Allerdings tritt dieses Phänomen nur in der ersten Tochtergeneration – der F1-Generation – auf. Gewinnt man Saatgut von F1-Hybriden, dann erscheinen die daraus wachsenden Pflanzen wieder uneinheitlich oder sind unfruchtbar. Wie sieht das praktisch aus? Nehmen wir beispielsweise an, die Tomatenpflanze einer Hybridsorte trägt aromatische, rot gestreifte Tomaten. Gewinnt man von diesen das Saatgut und zieht daraus eine neue Generation Tomatenpflanzen, dann wird nur ein Teil der Pflanzen aromatische Früchte mit Streifen tragen. Alle anderen Tomaten werden unberechenbare Eigenschaften haben; zudem kann es zu Kümmerwuchs und Unfruchtbarkeit kommen. Hybridsorten können also nicht zuverlässig mit ihren Eigenschaften weiter vermehrt werden.

Was spricht für Hybridsaatgut?

Hybridsorten kommen in der konventionellen Landwirtschaft, aber auch im Bio-Anbau zum Einsatz. Anwender:innen von hybriden Sorten schätzen an ihnen vor allem höhere Erträge, bessere Resistenzen und einheitlichere Pflanzen oder Früchte.

Auswahl an Saatgut

Handfeste Gründe für samenfestes Saatgut

Für sortenfeste Samen spricht jedoch einiges:

  • Unabhängigkeit: Samenfestes Saatgut lässt sich immer weiter vermehren. Das bietet Unabhängigkeit von Saatgutkonzernen. Züchter können samenfeste Sorten nutzen, um immer wieder neue Sorten zu entwickeln. Dies kann wiederum zur Ernährungssicherung beitragen.
  • Vielfalt: In der Vergangenheit wurden weltweit viele lokale und regionale Nutzpflanzensorten gezüchtet. Ein Großteil dieser kulturellen und biologischen Fülle ging bereits verloren. Samenfeste Sorten zu erhalten sichert Vielfalt in Kultur und Natur.
  • Samenfeste Sorten wachsen meist langsamer – ein Plus für Geschmack und Nährstoffe.

In den Biomärkten und im Naturwarenladen der VG Dresden findet ihr ganzjährig eine wechselnde Auswahl an sortenfesten Gemüsesamen.